2026 - Erlebnisraumkonzept Pumpspeicher Riedl - Kick-off-Veranstaltung fünf Donaugemeinden

Pressemitteilung zur Umsetzung „Erlebnisraumkonzept. Lebensraum – Tourismus – Energie“
Energiespeicher Riedl und Organismenwanderhilfe Jochenstein

Gemeinden und lokale Akteure wollen Pumpspeicherprojekt aktiv begleiten und mitgestalten
Umsetzung des Erlebnisraumkonzepts soll Eingriffe kompensieren und Chancen des Projekts nutzen

Untergriesbach/Obernzell/Thyrnau/Engelhartszell(OÖ)/Neustift i. M.(OÖ). Am vergangenen Wochenende wurden die Meldungen über die Anordnung des Sofortvollzugs für den Planfeststellungsbeschluss des Energiespeichers Riedl und damit absehbar auch der Organismenwanderhilfe Jochenstein veröffentlicht. Nach vielen Jahren der Planung und einem sehr langen und gründlichen Genehmigungsverfahren wird nun eine Umsetzung des Projekts so konkret wie nie zuvor. 

So konkret wie nie zuvor werden aber auch damit verbundene massive Eingriffe in die Natur in und um Gottsdorf, Riedl und Jochenstein. Ebenso konkret werden auch Eingriffe in den Lebensraum der Menschen in der Region. Das Projekt betrifft insbesondere Untergriesbach, aber auch die Nachbarkommunen Obernzell und Thyrnau-Kellberg sowie auf österreichischer Seite Neustift im Mühlkreis und Engelhartszell.

Mit den zu erwartenden Auswirkungen für die Heimat der Menschen und die Tourismusregion, aber auch mit den sich ergebenden Chancen beschäftigen sich Kommunalpolitiker, Touristiker, der Regionalentwicklungsverein Gottsdorf e.V. und engagierte Bürgerinnen und Bürger aus den fünf Gemeinden sowie Vertreter von Institutionen wie dem Tourismusreferat Landkreis Passau, dem Haus am Strom oder dem Tourismusverband Ostbayern schon lange. In den letzten eineinhalb Jahren ist grenzüberschreiten eng und intensiv an einem Konzept zur Minderung der negativen Folgen des Projekts und zur Nutzung der Chancen gearbeitet worden. Dieses Konzept soll im Fall des Baus des Energiespeichers weiter ausgefeilt und konsequent umgesetzt werden. Die Konzeptarbeit wird durch das Institut CENTOURIS der Uni Passau professionell begleitet und die Finanzierung übernimmt die Donaukraftwerk Jochenstein AG als Leistung im Rahmen des Gesamtprojekts.

Ursprüngliches Ziel war ein Tourismuskonzept. Entstanden ist jetzt das „Erlebnisraumkonzept Energiespeicher Riedl. Lebensraum – Tourismus – Energie“. Wie der Name schon sagt: Ein Konzept mit dem klaren Blick auf den Lebensraum, die Heimat, den Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Aber auch mit einem wesentlichen Augenmerk auf den Erhalt und die Aufwertung der Tourismusregion im Donauengtal von Kellberg über Obernzell, den Kernbereich Untergriesbach bis hinüber auf die oberösterreichische Seite nach Neustift und Engelhartszell.

Der Untergriesbacher Bürgermeister Hermann Duschl betont: „Im Laufe der vielen Termine, ist allen schnell klar geworden, wie wichtig es ist, nicht nur einen Plan für die Sicherung und Aufwertung des Tourismus zu erarbeiten. Es geht vielmehr darum, die bevorstehenden Eingriffe und Auswirkungen für die Bevölkerung vor Ort bestmöglich zu kompensieren. Es geht darum, zu schauen, welche Chancen sich bieten und welchen Nutzen wir aus dem Projekt für die Zukunft unserer Heimat ziehen können. Die Menschen hier sollen durch die Gestaltung des Speicherumfelds sowie zusätzliche Angebote in den Bereichen Freizeit, Natur und Bildung einen nachhaltigen Mehrwert für die Zukunft erhalten. Lebensraum – Tourismus – Energie! Wenn wir das gut machen, ergibt sich die Aufwertung der Tourismusregion mit einigen gezielten zusätzlichen Maßnahmen parallel. Dahin, wo jemand gerne lebt, kommt auch jemand gerne zu Besuch!“ so Duschl. „Die Baustelle wird ohne Zweifel eine Belastung für alle und der riesige Speicher wird unsere Landschaft und die Natur dauerhaft verändern. Da jetzt aber zu erwarten ist, dass das Projekt umgesetzt wird, ist es auch unsere Aufgabe, das Beste daraus zu machen. Mit dem Konzept und den daraus entstehenden Projekten wollen wir für alle Bürgerinnen und Bürger im näheren und weiteren Umfeld des Speichers möglichst viele erlebbare und positive Begleitmaßnahmen aufzeigen und dann gemeinsam auch umsetzen.“

In verschiedenen Arbeitsgruppen und vielen Treffen in den Gemeinden sind Ideen erarbeitet worden, wie man das gigantische Energieprojekt begleiten könnte und welche konkreten Maßnahmen man sich zum Ziel setzt. 

Bei einem bereits länger geplanten Treffen der zentralen Arbeitsgruppe für das Konzept am 6. Juli in Untergriesbach sind nun die weiteren Schritte beraten worden. Die Beteiligten waren sich einig: Wir haben agiert und müssen nun nicht auf den bevorstehenden Projektstart reagieren. Die Richtung ist durch das Konzept vorgegeben. Gute Ideen sind da. Nun muss es schnell konkret werden und an die Umsetzung gehen.

Vorerst hat man sich im Konzept auf drei wesentliche Bereiche und deren Umsetzung festgelegt. Sehr kurzfristig will man die weitere Vernetzung und Aufwertung der Rad- und Wanderwege rund um den künftigen Energiespeicher bis in die beteiligten Gemeinden hin angehen. Ziel dieses Projekts sind sternförmige Routen aus allen Gemeinden hin zum künftigen Speichersee und die Verbindung von der Donau nach Riedl. Für die Menschen der Region und die Gäste soll künftig Wandern, Radfahren und das Energieerlebnis bestmöglich verbunden werden. In Zeiten von E-Bikes bieten sich hier vielfältige Möglichkeiten und die Donauleiten stellen kein großes Hindernis mehr dar. Durch die Nutzung bestehender überregional bekannter Wege und Routen, deren Aufwertung und Verbindung und die Schaffung neuer Attraktionen sollen hier schnell sichtbare und positive Ergebnisse erzielt werden.

Der zweite Themenbereich des Konzepts konzentriert sich insbesondere auf den Tourismus und die Beherbergungsbetriebe. Ein zentraler Aspekt hier ist die Begleitung der Tourismusbetriebe vor Ort während der Baustellenphase. Gästebindung, Vermeidung von Umsatzeinbußen, Herausstellen der Attraktivität der Region trotz der Baustelle, Bewerbung von Freizeit und Naturerlebnisangeboten im Umkreis, aber auch der Ausblick und die Gästegewinnung für die Zeit nach Fertigstellung des Projekts werden die Schwerpunkte dieser Arbeitsgruppe sein. In diesem Teilbereich sollen sich vor allem Touristiker und Hotel- und Pensionsbetreiber einbringen. Sie wissen um die Probleme, die sich auftun werden und kennen auch viele Lösungsansätze. In diesem Handlungsfeld ist ebenfalls eine schnelle Maßnahmenplanung und -umsetzung vorgesehen.

Der Dritte Bereich des Konzepts zielt mehr auf die Zukunft ab und soll die mittel- und langfristige Entwicklung der Region und insbesondere des Raums im engen Projektgebiet begleiten und steuern. Das sogenannte „4-Zonen-Konzept“ soll die Bereiche Energie & Technik, Natur & Landschaft, Bewegung & Aktivität sowie Erlebnis & Bildung zusammenführen. Rund um den künftigen Speichersee, das bestehende Wasserkraftwerk und die Fischwanderhilfe soll ein attraktives Freizeit-, Erlebnis und Bildungsangebot mit regionaler und überregionaler Bedeutung entstehen. Im Pumpspeicherprojekt ist ein Dammkronenweg und eine Energieerlebniswelt vorgesehen. Zudem soll mit dem „Weiher Mühlberg“ eine Freizeitoase geschaffen werden und die Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen können Gelegenheit bieten, die Natur rund um die Bauwerke erlebbar zu machen. Diese festgelegten Eckpfeiler sollen durch die Projektgruppe nun mit Leben gefüllt und für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort in Gottsdorf, Riedl und Jochenstein möglichst gut und verträglich gestaltet werden.

Viele Aufgaben sind also zu erledigen, aber viele Ideen liegen auf dem Tisch. Man hat gut vorgearbeitet und kann jetzt mit der Umsetzungsarbeit beginnen. Die zentrale Steuerungsgruppe hat vereinbart, dass bereits nach den Sommerferien eine öffentliche Vorstellung des Konzepts erfolgen soll. Die einzelnen Projektgruppen nehmen die Arbeit schon jetzt auf. Durch die Beteiligung vieler örtlicher Akteure und von Bürgerinnen und Bürgern vor Ort am Umsetzungsprozess sollen am Ende auch passende und funktionierende Lösungen stehen. 


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